Neuer Amoklauf in Bautzen

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Neuer Amoklauf in Bautzen

Beitragvon Battletoad » 14.08.2007, 14:44

ich weiß nicht, inwiefern das bundesweit bekannt ist oder nicht, aber es gab letztens einen Amoklauf in Bautzen. (Das liegt genau zwischen Dresden und meiner Heimatstadt Görlitz.) Dieses Mal nicht in einer Schule o.ä., sondern auf offener Straße. Ein 22-Jähriger hat dabei 4 Menschen zum Teil schwer verletzt.
Hier mal der Artikel aus der Sächsischen Zeitung von heute, natürlich auf der Titelseite:

Bautzens Amokläufer - ein Satanist

Der 22-Jährige sieht sich von höheren Mächten geleitet. Vieles deutet inzwischen auf einen okkulten Hintergrund hin.

Der Amokläufer von Bautzen ist offenbar psychisch gestört. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft machte er in der Vernehmung höhere Mächte für die Tat vom Sonnabend verantwortlich. Dabei hatte der 22-Jährige im Stadtteil Gesundbrunnen wahllos Passanten mit Hieb- und Stichwaffen angegriffen. Vier Männer wurden verletzt, drei davon schwer. Einer musste im Krankenhaus notoperiert werden, nachdem ihm mit einem Morgenstern fast das Schultergelenk abgetrennt worden war. Wie die Pressesprecherin der Bautzener Oberlausitz-Kliniken, Tanja Diedrich, gestern sagte, werden die drei Verletzten weiter behandelt und psychologisch betreut. Es sei aber keiner mehr auf der Intensivstation.
Der Haftrichter hatte den Täter am Sonntag in die Psychiatrie eingewiesen. Die Bautzener Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Hoyerswerdaer versuchten Mord in drei Fällen vor. "Nach eigenen Worten ging es dem Mann darum, seine Opfer kalt zu machen", sagte Pressesprecher Christopher Gerhardi. Bei seinem Amoklauf hatte der Täter neben dem Morgenstern Messer, Schwerter und einen Totschläger bei sich. Weitere Hieb- und Stichwaffen wurden in seiner Wohnung in Bautzen gefunden.
Deren Einrichtung deutete nach Angaben der Staatsanwaltschaft ebenso wie die schwarze Kleidung auf einen satanistischen Hintergrund hin. Der Mann sei zudem mit Pentagrammen tätowiert und trage zahlreiche Narben am Körper, die er sich selbst beigebracht habe.
In der Vernehmung räumte er zudem Kontakte zur Black-Metal-Szene ein, einer Musikrichtung, die im Auftreten und den Texten auf heidnische Symbole zurückgreift. Teilweise gibt es Verbindungen zum Rechtsextremismus. In einzelnen Fällen waren Mitglieder und Fans von Black-Metal-Bands in Straftaten bis zum Mord verwickelt.
Gegen den 22-Jährigen war bereits 2005 wegen Bedrohung ermittelt worden. Das Verfahren wurde aber nach Jugendrecht eingestellt. Im aktuellen Fall hängt der weitere Verlauf von der Schuldfähigkeit ab. Bei einer Verurteilung muss der Täter mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Ist er nicht schuldfähig, ist die weitere Unterbringung in der Psychatrie wahrscheinlich.
Die Stadt Bautzen bemüht sich um Hilfe für die Opfer. "Wir haben Kontakt zur Organisation Weißer Ring aufgenommen. Sie wird sich nach der Entlassung um die Betroffenen kümmern", sagt Pressesprecherin Elke Lorenz.


Was mich an dem Artikel schon wieder äußerst stört, sind einige Stellen, die sicherlich wieder Vorurteile hervorrufen werden. Z.B. die Stelle "ebenso wie die schwarze Kleidung" (==> Satanismus). Das klingt doch wieder so, als wenn jeder (z.B.) Metal- oder Gothic-Fan, der öfter mal in schwarzen Klamotten rumläuft, gleich gefährlich sein könnte. Ich versteh auch nicht, warum im Zusammenhang mit Black Metal so unmittelbar die heidnischen Symbole und Rechtsextremismus Erwähnung finden mussten. Heidnische Symbole sind ja längst nicht bei jeder Black Metal Band, und nicht grade ein sonderlich prägendes Merkmal, und abgesehn davon: Heinisches=ganz böse schlimm??! :grübel:
Und dass der Rechtsextremismus ein Problem im Black Metal ist, ist richtig, aber die meisten sind eben nicht rechtsextrem und müssen sich schon länger in den meisten Interviews Fragen über Rechtsextremismus gegenüberstellen. Der Großteil der Black Metal-Bands ist eben nicht rechtsextrem, deswegen versteh ich nicht, warum das in dem Text ohne Zusammenhang erwähnt werden muss. Das schürt doch wieder nur Vorurteile gegen Black Metal.
Auf dem Titelbild trug der Täter ein T-Shirt von Abruptum, ich kenne die nicht, aber die scheinen nicht rechtsextrem zu sein.
Sicher gibt es im Black Metal auch abseits der NSBM-Szene einige Idioten (siehe "Straftaten bis zum Mord"), aber ich denke ein Großteil der Bands und Fans ist menschlich voll in Ordnung.

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Beitragvon Leviathan » 14.08.2007, 15:30

Wieder ein gefundenes Fressen für die AntiFa....die kriegens ja sogar hin, Dimmu Borgir als NS-Band zu kategorisieren... :doof?:
Abruptum ist eine schwedische Band, und rechtsextrem sind die garantiert nicht...so nur als Info.
Zum Thema: Finde es auch extrem störend, den Black-Metal (im Folgenden nur noch BM) Hintergrund so schön propagandamäßig in den Vordergrund zu stellen, und dann natürlich gleich mal Heidentum und Rechtsradikalismus als Schlagworte mit BM zu bringen (der ach so böse BM und seine Fans, gell?), also ein wenig mehr Recherche zum Thema "Heidentum und BM"/"NS und BM" wäre da ratsamer gewesen...es gibt BM-Bands die der rechten Szene zuzuordnen sind, aber das ist ein verschwindend geringer Prozentsatz gegenüber den Bands die den Standpunkt vertreten, dass BM nichts mit Politik zu tun hat/tun haben will. Und mit "heidnischen" Symboliken schmücken sich genügend andere Leute, und genauso viel Leute gibt es, die Schwarz tragen. Aber die Assoziation Schwarz/heidnisch=satanistisch klingt wohl zu gut, zu populistisch einleuchtend, als dass man dieses Klischeedenken einfach mal links liegen lassen könnte...
Ich höre selbst "hauptberuflich" viel Metal, auch viel Black Metal, und komischerweise kleide ich mich nicht schwarz (mach ich da was falsch?)... :freak: Meine Meinung: die biegen sich das so zurecht, damits möglichst medienwirksam verkauft werden kann! Nach Killerspielen ist jetz auch der BM dran schuld, dass Amok gelaufen wird...der Artikel wirkt auf mich auch sehr reißerisch, besonders der erste Absatz, ich meine wer fängt einen Artikel mit "Der Amokläufer von Bautzen ist offenbar psychisch gestört" an? Stilistisch 6-, durchgefallen!, und schon allein die Überschrift ("Bautzens Amokläufer-Ein Satanist") offenbart, wie populistisch und urteilend diese und der Artikel gemeint sind.
Noch was: Wir haben letztes Semster ein Seminar besucht, was da hieß: "Schreiben über Musik". Egal über was man in so einer Pressemitteilung schreibt, Fakt ist, dass jeder die Indiskrepanz zwischen Überschrift und Text sehen sollte: Wie anderes würde diese Themaverfehlung ("Satanist", dann plötzlicher Sprung auf "psychisch gestört") zustande kommen, wenn nicht durch die Implizierung des Ausdrucks: Satanist=psychisch gestört???
Das ist eine Offenbarung der Ahnungslosigkeit, die der Autor vom Thema hat...die meißten "Satanisten" (scheiß Wort, echt ma!) sind eher das Gegenteil, da gibts es extrem intelligente Leute in dieser "Szene"...
Ich will mit meinen Ausführungen in keinster Weise den Amoklauf rechtfertigen oder verteidigen, es geht mir darum, inwieweit dieser Artikel von der Öffentlichkeit als allgemeingültig (Motto: einer ist so->alle anderen sind auch so) aufgefasst wird, vieleicht ist dieser Effekt dem Leser gegenüber (der ja meißtens vom BM keinen Schimmer hat) ja sogar beabsichtigt...sein Urteilsvermögen in Vorurteilen zu ertränken... :kopfschüttel:
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