Wieder Amoklauf in einer Schule

Alles, was nichts mit dem Thema Zensur zu tun hat, z.B. Kritiken/Meinungen zu Filmen, Spielen, Musik usw.

Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 15:51

ale hat geschrieben:Ja, aber wenn man daran kommen will, wirds dann gleich wieder illegal ;)


Warum wäre das illegal?
Und warum sperrt die Polizei NRW seine Seite, aus welchem Grund?
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Beitragvon ale » 21.11.2006, 16:10

Tja der Grund dürfte nur den Behörden klar sein, aber wenn von der Polizei eine Seite mit Kennwort geschützt wird, glaube ich kaum dass eine (welche auch immer) Möglichkeit diese Sperre zu umgehen rechtens wäre.
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Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 17:01

ugo-piazza hat geschrieben:Bei den Computerspielen sehe ich dann schon eher die Gefahr, dass bereits gefährdete Personen sich tatsächlich in der virtuellen GameWorld verlieren und den Bezug zur Realität verlieren.

Nun sind derartige Amokläufe extreme Einzelfälle, aber vielleicht sollte man sich doch mal ernsthaft fragen, inwieweit Computerspiele an der wachsenden Jugendbrutalität mitbeteiligt sind.


Da muss ich dir erstmal widersprechen, ich bin hier ganz anderer Meinung. Ein "verlieren" in der Spielewelt, was einem Realitätsverlust nahe oder gar gleich kommt, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Damit sowas passiert, müsste der Betroffene schwer psychisch gestört sein. Kein "normaler" Mensch bringt Realität und Spielwelt durcheinander.

Des weiteren gibt es in unseren Nachbarländern (gerade Holland!) kaum Jugendschutz und da ist noch nie (berichtigt mich, wenn ich mich irre) ein Schüler Amok gelaufen, obwohl er doch spätestens ab 16 Jahren freien Zugang zu Gewaltfilmen und -spielen, ja sogar zu harter Porographie hat. Dann kann der 16-jährige noch legal kiffen und Alkohol trinken ... eigentlich ja eine gefährliche Mischung, trotzdem hört man vom Nachbarland keine Meldungen über Jugendgewalt, Gewalt an Schulen, Amokläufen oder gewaltätige Demonstrationen (anders z.B. in Frankreich).
Auch Skandinavien hat ein eher liberales Jugendschutzsystem, Filme wie zum Beispiel Freitag der 13. - Teil 4 (hierzulande beschlagnahmt) sind dort ab 15 Jahren freigegeben. Auch dort hört man nichts von Gewalt.
Sind nicht vielmehr das deutsche Schulsystem, die mangelhafte Integration von ausländischen Jugendlichen, die Perspektivlosigkeit, die schlechten Jobchancen gerade von Hauptschulabsolventen und mangelnde elterliche Fürsorge Gründe für Jugendgewalt und Amokläufe wie in Erfurt und Emsdetten?

Menschen, die durchdrehen und Amok laufen, tun dies meiner persönlichen Meinung nach mit 98% Wahrscheinlichkeit auch, wenn sie nie einen Gewaltfilm gesehen oder Gewaltspiel gespielt hätten.
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Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 17:25

Und die Debatte geht los ... :(

:arrow: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... AB,00.html

:arrow: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... F1,00.html

Wobei man den tageschau.de-Berichten zu gute halten muss, in ausreichender Weise beide Seiten darzustellen und Experten beider Seiten zu Wort kommen zu lassen! Sehr löblich.
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Beitragvon Murphy » 21.11.2006, 17:30

Hi,
ich bin neu hier, da diese Diskussion ja aktuell geführt zu werden scheint, hab ich einen Programmtipp. Ist vielleicht etwas kurzfristig, habs grad selbst erst gesehen. Gleich um 18.15 kommt auf Phoenix eine, wohl ältere, Doku, mit dem schönen Namen "Kriegsspiele", geht wohl vor allem um CS.
Wer also Zeit und Gelegenheit hat, sollte sich das mal anschauen. Programminfos gibts auf der Teletext Seite 602 von Phoenix.
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Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 18:18

Murphy hat geschrieben:Hi,
ich bin neu hier, da diese Diskussion ja aktuell geführt zu werden scheint, hab ich einen Programmtipp. Ist vielleicht etwas kurzfristig, habs grad selbst erst gesehen. Gleich um 18.15 kommt auf Phoenix eine, wohl ältere, Doku, mit dem schönen Namen "Kriegsspiele", geht wohl vor allem um CS.
Wer also Zeit und Gelegenheit hat, sollte sich das mal anschauen. Programminfos gibts auf der Teletext Seite 602 von Phoenix.


Danke für den Hinweis! Die Dokumentation ist echt gut. Ich habe sie damals gesehen, als sie mehr oder weniger anlässig des Amoklaufes von Erfurt gezeigt wurde.
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Beitragvon Don Bastardo » 21.11.2006, 19:10

Ich habe heute im Radio ein Interview mit einem Polizeipsycholgen gehört, der meinte, dass es gar nichts bringen würde härtere Gesetze zu machen da man dann gar nicht genug verbieten kann.

#Das Thema "strengere Jugendschutz" lief ja eben auf RTL glaube ich :dagegen:
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Beitragvon ugo-piazza » 21.11.2006, 19:23

Webmaster hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Bei den Computerspielen sehe ich dann schon eher die Gefahr, dass bereits gefährdete Personen sich tatsächlich in der virtuellen GameWorld verlieren und den Bezug zur Realität verlieren.

Nun sind derartige Amokläufe extreme Einzelfälle, aber vielleicht sollte man sich doch mal ernsthaft fragen, inwieweit Computerspiele an der wachsenden Jugendbrutalität mitbeteiligt sind.


Da muss ich dir erstmal widersprechen, ich bin hier ganz anderer Meinung. Ein "verlieren" in der Spielewelt, was einem Realitätsverlust nahe oder gar gleich kommt, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Damit sowas passiert, müsste der Betroffene schwer psychisch gestört sein. Kein "normaler" Mensch bringt Realität und Spielwelt durcheinander.

Des weiteren gibt es in unseren Nachbarländern (gerade Holland!) kaum Jugendschutz und da ist noch nie (berichtigt mich, wenn ich mich irre) ein Schüler Amok gelaufen, obwohl er doch spätestens ab 16 Jahren freien Zugang zu Gewaltfilmen und -spielen, ja sogar zu harter Porographie hat. Dann kann der 16-jährige noch legal kiffen und Alkohol trinken ... eigentlich ja eine gefährliche Mischung, trotzdem hört man vom Nachbarland keine Meldungen über Jugendgewalt, Gewalt an Schulen, Amokläufen oder gewaltätige Demonstrationen (anders z.B. in Frankreich).
Auch Skandinavien hat ein eher liberales Jugendschutzsystem, Filme wie zum Beispiel Freitag der 13. - Teil 4 (hierzulande beschlagnahmt) sind dort ab 15 Jahren freigegeben. Auch dort hört man nichts von Gewalt.
Sind nicht vielmehr das deutsche Schulsystem, die mangelhafte Integration von ausländischen Jugendlichen, die Perspektivlosigkeit, die schlechten Jobchancen gerade von Hauptschulabsolventen und mangelnde elterliche Fürsorge Gründe für Jugendgewalt und Amokläufe wie in Erfurt und Emsdetten?

Menschen, die durchdrehen und Amok laufen, tun dies meiner persönlichen Meinung nach mit 98% Wahrscheinlichkeit auch, wenn sie nie einen Gewaltfilm gesehen oder Gewaltspiel gespielt hätten.


Amokläufe wie jetzt in Emsdetten, Erfurt oder auch an der Columbine-Highschool sind glücklicherweise Ausnahmefälle, doch denke ich schon, dass man Gemeinsamkeiten zwischen diesen Fällen sehen kann. Da wären ein Gefühl, ein Außenseiter zu sein, der von seinen Mitschülern nicht akzeptiert wurde, ein (wohl daraus resultierender) übermäßiger Hass auf die "Mainstream-Gesellschaft", Waffengeilheit, Musik mit menschenverachtenden Texten und eben auch gewalttätige Computerspiele.

Die sind sicherlich nicht die Ursache für den Amoklauf, aber ich sehe die durchaus als Bestandteil einer explosiven Mischung, die mit furchtbaren Folgen losgehen kann.

Ich vermute mal, dass der Amokläufer jemand war, der mit seiner Umgebung nicht wirklich was anfangen konnte, ein Einzelgänger, der sich möglicherweise nicht für die üblichen Teenie-Themen interessiert hat, der deswegen geschnitten, vielleicht gemobbt, wurde. Der zu Hause mit seinen Eltern über seine Probleme nicht reden konnte und daraufhin einen unbändigen Haß auf die Gesellschaft entwickelt hat.

Der sich vielleicht groß gefühlt hat, wenn im Wald mit seinen Waffen rumgeballert hat, weil sie ihm ein Gefühl von Überlegenheit vermittelten.

Und dieses Gefühl von Überlegenheit könnte eben auch am Computer aufgekommen sein, wenn Sebastian B. sich dort vielleicht als Herr über Leben und Tod gesehen hat.

Ich halte es durchaus für denkbar, dass er sich in der virtuellen Welt verloren hat, weil er mit der realen nichts (mehr) zu tun haben wollte.

Und als er sich nun vor Gericht (=Repräsentant der verhassten Gesellschaft) für seinen illegalen Waffenbesitz (=sein reales Tun) hätte verantworten sollen, was er nicht verkraftet hätte, sah er nur noch einen Weg: Den big bang.



Die anderen von dir genannten Punkte wie Perspektivlosigkeit, gescheiterte Integration (nicht nur!) ausländischer Jugendlicher, miese Jobaussichten für Hauptschüler etc. bringe ich mit den Amokfällen nicht in Verbindung, sehr wohl aber mit steigender Jugendgewalt. Und da vermute ich mal, dass es die "normale" Jugendgewalt auch im Ausland gibt, dass es aber den hiesigen Medien keine Meldung wert ist.
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Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 19:33

Gut, dann können wir festhalten, dass wir uns in dem Punkt einig sind, dass Computerspiele nicht die Ursache für Amokläufe und Jugendgewalt sind. Mir war wichtig, dass das klar gestellt ist, denn das kommt in den Medien häufig falsch rüber!

Auch wenn ich wie gesagt nicht glaube, dass ein Realitätsverlust statt gefunden hat, so können gewalttätige und ungeeignete Computerspiele bei Jugendlichen durchaus mit ein Faktor für reelle Gewalt sein. Das mag ich gar nicht bestreiten, aber dafür haben wir ja eigentlich das neue Jugendschutzgesetz, es müsste von den Händlern nur ordentlich umgesetzt werden. Jugendliche dürfen nunmal nicht an ungeeignete Spiele heran kommen. Auch die Eltern sind hier gefordert, aufzupassen was die Sprösslinge im Kinderzimmer am PC spielen.
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Beitragvon ugo-piazza » 21.11.2006, 20:38

Webmaster hat geschrieben:Gut, dann können wir festhalten, dass wir uns in dem Punkt einig sind, dass Computerspiele nicht die Ursache für Amokläufe und Jugendgewalt sind. Mir war wichtig, dass das klar gestellt ist, denn das kommt in den Medien häufig falsch rüber!

Auch wenn ich wie gesagt nicht glaube, dass ein Realitätsverlust statt gefunden hat, so können gewalttätige und ungeeignete Computerspiele bei Jugendlichen durchaus mit ein Faktor für reelle Gewalt sein. Das mag ich gar nicht bestreiten, aber dafür haben wir ja eigentlich das neue Jugendschutzgesetz, es müsste von den Händlern nur ordentlich umgesetzt werden. Jugendliche dürfen nunmal nicht an ungeeignete Spiele heran kommen. Auch die Eltern sind hier gefordert, aufzupassen was die Sprösslinge im Kinderzimmer am PC spielen.


Das Problem, das sich Händler nicht an das Jugendschutzgesetz halten, ist ja leider auch nichts neues, und betrifft ja auch nicht nur den Medienbereich, sondern den unkontrollierten Verkauf von Alkohol und Zigaretten.

Allerdings bleibt die Frage, ob sich die Jugendlichen sich die Spiele denn überhaupt kaufen oder nicht eher aus dunklen Quellen beziehen, also Raubkopien, (illegale) Downloads etc. Im Spielebereich bist du bewanderter als ich, wie siehst du das?


PS: Es gehört nicht unbedingt zum Thema, aber gestern lief in "Report München" ein (Nach-)Bericht über ein Ereignis, das in Lörrach stattfand. Eine lebensmüde junge Frau stand auf dem Rathausturm und drohte, sich herunterzustürzen. Während Psychologen ihr gut zuredeten, versammelten sich unten immer mehr Menschen, hauptsächlich Jugendliche, die die Szene mit ihren Handys fotografierten und sie aufforderten, doch nun endlich zu springen! :doof?: Angeblich sollen die einzigen, die sich dagegen äußerten, ausgerechnet eine Gruppe Drogenabhängiger gewesen. Mehrere Polizisten wurden vom Mob angegriffen und verletzt. Die Frau ließ sich schließlich von den Psychologen vom Dach bringen. Im Nachbericht wurden nun einige Jugendliche befragt, wie sie denn ihr Verhalten im nachhinein sehen würden. Schulterzucken und "ist ja nichts passiert", von schlechtem Gewissen keine Spur. DAS macht mir echt Angst. :motz:
Zuletzt geändert von ugo-piazza am 22.11.2006, 07:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Webmaster » 21.11.2006, 23:12

Dass viele Jugendliche ihre Spiele von Kumpels oder älteren Geschwistern bekommen/kopieren oder gar aus dem Internet herunterladen ist meines Erachtens leider sehr wahrscheinlich. Da kann man wieder sehen, dass der extrem starke Jugendschutz gerade da, wo er helfen sollte, nämlich Kinder/Jugendliche zu schützen, versagt. Aber volljährige Erwachsene werden durch Indizierungen eingeschränkt, weil Spiele und Filme nur schwer und teuer (Versandkosten!) zu beschaffen sind. Das ist aber ein ganz anderes Thema, aber ich denke du verstehst, was ich meine ...

Da kommt immer wieder MEINE ewige Forderung: Eltern schaut hin, was euere Kinder spielen und redet mit ihnen über die aktuellen Medien und lehrt ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang damit!

Der Jugendschutz müsste in Deutschland gar nicht so stark ausgeprägt sein, denn wie ich oben festgestellt habe, können Jugendliche ihn ganz einfach unterlaufen. Vielmehr müssen die Eltern gestärkt werden, ihrer Erziehung- und Fürsorgepflicht nachzukommen! Aber die denken natürlich: "Mein Kind ist ja durch das JuSchG geschützt, es kann ja gar nichts sehen und spielen, was nicht geeignet ist. So genau brauch ich da gar nicht mehr hinschauen, der Staat nimmt mir diese Verantwortung komplett ab ..."

Meiner Meinung nach wäre es besser wenn sich der Staat hier mehr raushalten würde (und von mir aus auch noch aus anderen Dingen, aber ich will nicht politisch werden und den Liberalen raushängen ;) )

Das mit den Kinden und der Suizidgefährenden ist schon krass ... wobei man nicht alle Jugendliche über einen Kamm scheren darf. Ich denke (und HOFFE vor allem), dass das doch eher das Ausnahneverhalten ist.
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Beitragvon ugo-piazza » 22.11.2006, 19:51

Webmaster hat geschrieben:Dass viele Jugendliche ihre Spiele von Kumpels oder älteren Geschwistern bekommen/kopieren oder gar aus dem Internet herunterladen ist meines Erachtens leider sehr wahrscheinlich. Da kann man wieder sehen, dass der extrem starke Jugendschutz gerade da, wo er helfen sollte, nämlich Kinder/Jugendliche zu schützen, versagt. Aber volljährige Erwachsene werden durch Indizierungen eingeschränkt, weil Spiele und Filme nur schwer und teuer (Versandkosten!) zu beschaffen sind. Das ist aber ein ganz anderes Thema, aber ich denke du verstehst, was ich meine ...

Da kommt immer wieder MEINE ewige Forderung: Eltern schaut hin, was euere Kinder spielen und redet mit ihnen über die aktuellen Medien und lehrt ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang damit!

Der Jugendschutz müsste in Deutschland gar nicht so stark ausgeprägt sein, denn wie ich oben festgestellt habe, können Jugendliche ihn ganz einfach unterlaufen. Vielmehr müssen die Eltern gestärkt werden, ihrer Erziehung- und Fürsorgepflicht nachzukommen! Aber die denken natürlich: "Mein Kind ist ja durch das JuSchG geschützt, es kann ja gar nichts sehen und spielen, was nicht geeignet ist. So genau brauch ich da gar nicht mehr hinschauen, der Staat nimmt mir diese Verantwortung komplett ab ..."

Meiner Meinung nach wäre es besser wenn sich der Staat hier mehr raushalten würde (und von mir aus auch noch aus anderen Dingen, aber ich will nicht politisch werden und den Liberalen raushängen ;) )

Das mit den Kinden und der Suizidgefährenden ist schon krass ... wobei man nicht alle Jugendliche über einen Kamm scheren darf. Ich denke (und HOFFE vor allem), dass das doch eher das Ausnahneverhalten ist.


Da bin ich schon anderer Ansicht. Sicherlich ist Jugendschutz zunächst einmal Aufgabe der Erziehungsberechtigten, keine Frage.

Was aber ist denn, wenn die Eltern sich einen Scheiß darum kümmern? Ich meine damit gar nicht mal die Eltern, die quasi Gottvertrauen in das JuSchG setzen. Sondern ich meine auch diejenigen, die sich einen Dreck um die Erziehung ihres Nachwuchses kümmern, sei es, weil es ihnen an den Fähigkeiten mangelt, sei es, weil es ihnen ohnehin alles am Arsch vorbeigeht. Man kann sich die Zukunftschancen dieser Kinder vorstellen...

Und solchen Leuten kannst du nicht kommen, sie sollten ihren Kids Medienkompetenz beibringen. Die haben sie selbst nicht und manche werden überhaupt gar nicht begreifen, wo überhaupt das Problem ist.

Oder wie damals in den frühen 80ern, als die Horror-Videos das Streitthema waren, eine Frau in der Videothek zu ihrem ca. 8jährigen Sohn sagte: "Es gibt nur einen Zombiefilm am Tag!"
(irgendwann mal in einem Bericht gelesen, nicht von mir selbst erlebt!)

Nein, Jugendschutz als staatliche Aufgabe hat schon seinen Sinn.

Und was die teuren Versandkosten für indizierte Ware angeht, bleibe ich bei dem, was ich in einem anderen Thread schon mal geschrieben hatte: Ist so, soll ich mich darüber aufregen? Immerhin besteht jetzt die Möglichkeit des Versandhandels.

Problematischer ist natürlich die Forderung nach einem "Verbot von Killerspielen". Indizierung reicht einigen Politikern ja anscheinend nicht aus, und dürften Beckstein, Schünemann etc. natürlich dadurch Aufwind bekommen, dass sowohl Robert Steinhäuser als auch Sebastian B. ihre Taten als Volljährige begingen.

Dass ein nationales Herstellungs- und Verbreitungsverbot natürlich Schwachsinn ist, wenn
a) die allermeisten Spiele eh nicht aus Deutschland stammen und
b) wie du sagst, vielfach aus dem Internet runtergeladen werden,

dürfte inkompetente Populisten wohl kaum abschrecken.

Schünemann soll gar die Auflösung des USK gefordert haben. Wenn dem so sein sollte, stellt er seine Unwissenheit grandios unter Beweis. Die USK-Freigaben werden ja von den obersten Landesbehörden übernommen, sind damit dann letztlich eine Behördenentscheidung. § 14 Abs. 6 räumt den obersten Landesbehörden gar die Möglichkeit ein, für Ihren Bereich eine abweichende Entscheidung zu treffen. Auch dürfte m.W. die Möglichkeit für ein Land gegeben sein, gerichtlich gegen die Übernahme der USK-Entscheidung zu klagen, wenn es damit nicht einverstanden sein sollte (die USK wird mir hoffentlich meine Auffassung bestätigen).

Warum also bewerfen die Landesinnenminister jetzt die USK mit Dreck und nicht ihre für den Jugendschutz zuständigen Kabinettskollegen? Es sind halt Politiker... :wand:
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Beitragvon ugo-piazza » 22.11.2006, 19:54

Sorry für's mehrfachposting, aber ich bekam stets eine Fehlermeldung beim absenden! :evil:
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Beitragvon Webmaster » 22.11.2006, 20:11

Versteh mich nicht falsch, ich habe nie eine Abschaffung des Jugendschutzes gefordert - lediglich hätte ich gerne etwas liberalere Gesetze, die Jugendliche noch genügend schützen, aber Erwachsenen nicht unnötig einschränken. Und das ist meiner Meinung nach eben u.a. beim Versandhandel der Fall. Der Jugendschutz wäre auch ohne "Einschreiben-Eingehändig" gewährleistet - das hatten wir aber glaube ich in einem anderen Thema schon ausdiskutiert.

Das Problem, das entsteht, wenn sich Eltern einen Dreck um ihre Kinder kümmern, kann aber auch nicht durch härtere Jugendschutzgesetze gelöst werden. Da sind ganz andere Maßnahmen seitens der Jugendämter nötig. Ich kann hier leider keine Lösung dafür anbieten, aber ich glaube auch, dass Gewaltvideos und -Spiele eines der geringeren Probleme solcher vernachlässigten Kinder sind.

Deine anderen Ausführungen kann ich so unterschreiben! Eine Verbotsfordernug ist auch meines Erachtens Schwachsinn. Zwar nicht Schünemann, dafür aber Schönbohm (Innenminister Brandenburg) forderete tatsächlich eine Auflösung der USK :wand: Er will die Aufgaben komplett in staatliche Hände legen.
:arrow: http://www.medienzensur.de/cgi-bin/news/link.pl?330
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Beitragvon Andreas Frank » 22.11.2006, 21:33

"Verbot von Killerspielen"
*Gähn*
Hatten wir das nicht schon mal ? Wozu die Aufregung, wissen wird doch ganz genau, dass ein entsprechendes Gesetz nicht verabschiedet wird und wenn einige Politiker noch so zetern.
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