Porno Rap und Sexismus ab 18 J. gesellschaftsfähig?!

Forum für unterschlagene Musik und Zensur auf Viva & co. Radikale Bands haben hier nichts verloren!

Beitragvon Pyri » 03.09.2009, 18:50

Es ist für mich ein großer Unterschied ob etwas aus der Beobachterperspektive beschrieben wird, jemand Rollen in Spielen übernimmt, oder ob - wie bei solcher Musik - Verbrechen schlicht angesagt werden. Dabei betone ich, dass ich keine Aufforderung zu Verbrechen darin unbedingt sehen möchte, wohl aber deren Ansage. Und DAS Ist für mich kein bloßer Ausdruck mehr. Hier wird ja nichts begründet, außer mit Verachtung und Haß.
Sicher ist der Kontext noch zu berücksichtigen, aber einen anderen als frauenverachtenden kann ich da beim besten Willen nicht entdecken. Es wird dabei ja nichts mehr bloß beschrieben, sondern es wird gesagt was getan werden soll - odere andere Gruppen, ob homophob, behindertenfeindlich oder ethnisch-rassistisch, beschimpft.
So schätze ich etwa den Text "Babyficker", eine einst skandalisierte Erzählung von Urs Allemann, sehr, weil er mit abstoßenden Konnotationen bloß spielt und ein Publikum in seinen festen Vorstellungen aufrütteln will - damit konfrontieren. Ein solches Ansinnen von Konfrontation kann ich hier auch nicht erkennen.

Eher schon sehe ich ähnliche Überlegenheitsdünkel bei solcher Musik am Werk, wie sie auch MedienkritikerInnen aus meiner Sicht oft haben: bei denen sehe ich auch Haß und eine negative Beziehung zu etwas fremdem gegeben, wenn sie abwertend über Filme oder Spiele als Verbrechen reden und Zusammenhänge darin ignorieren oder überhaupt nicht wahr haben wollen.

Ich weiß schon, dass etwa in den USA Jeder Haß der nicht gegen gezielte Personen gerichtet ist sich auch noch sogar organisieren darf, weshalb es dort ebenfalls die NSDAP/AO Gibt.
Ich will das nicht unbedingt beurteilen, finde aber schon, dass meine Freiheit dort aufhört wo ein anderer, eine andere Gruppe herabgewürdigt wird. Nicht mittels Beschreibungen, diese halte ich auch extrem für mituner sehr wertvoll, wohl aber mit Ansagen wie diesen Worten etc.

Leider wird dieser Unterschied aber für gewöhnlich nicht gesehen, wenn es hierzulande um Gewaltdarstellungen geht, und dann ist alles mögliche schnell menschenverachtend, frauenfeindlich oder gewaltverherrlichend - bis hin zu Sachen wie Wrestling, usw.
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Beitragvon Pyrazol » 13.09.2009, 22:25

easy77 hat geschrieben:Ich bin auch dafür, so wenig zu zensieren, wie möglich. Computerspiele mit wilden Geballer, haben ja meist wenig mit der gelebten Realität der Konsumenten zu tun. Wer besitzt schon real eine Waffe und unternimmt solcherlei "Spaziergänge" mit ihr?! Hier ist auch selten eine bestimmte Gruppe, die eine Andere zum Untermenschen degradiert, während sie sich selbst aufwertet. Dies wäre der Fall, wenn es z.B. eine brei angelegte Industrie gäbe, in dessen Spielen Deutsche Juden erschiessen. Undenkbar, oder?

Bei der Hatz gegen das weibliche Geschlecht, zugunsten von Aufwertung der eigenen Männlichkeit, geht es um ein sehr reales Thema der Konsumenten! Alle haben eine Sexualität und hier ist eine ganze Gruppe (die Frauen) betroffen! Es ist also kein abstraktes Thema! Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Empathiefähigkeit ausgeschaltet werden muß, um Gefallen an Gewaltpornographischen Inhalten (hier auch Porno-Rap) zu finden. Dies kann bis zu einer Verrohung führen und bewirken, dass Sexualität und Gewalt immer mehr zueinander gehören, den Konsumenten erregen.
In diesen Liedern werden Frauen klar zu Untermenschen degradiert und sexuelle Gewalt als "Kunst" gefeiert.
Hier bin ich sehr wohl für Einschränkungen durch den Gesetzgeber, denn eine Demokratie ist nicht nur für Freiheit zuständig, sondern auch für den Schutz seiner Bürger! Grenzen im Handlungsspielraum ermöglichen überhaupt erst ein friedliches miteinander.

Zitierten Beitrag finde ich sehr lustig. Ich darf mal ein bisschen kritisieren:


easy77 hat geschrieben:Ich bin auch dafür, so wenig zu zensieren, wie möglich. Computerspiele mit wilden Geballer, haben ja meist wenig mit der gelebten Realität der Konsumenten zu tun. Wer besitzt schon real eine Waffe und unternimmt solcherlei "Spaziergänge" mit ihr?!

Haha. Pornorap-Texte mit wilden Vergewaltigungen haben ja meist auch wenig mit der gelebten Realität der Konsumenten zu tun. Wer hat schon real jemanden vergewaltigt? Klar passiert das. Genauso passieren Amokläufe.
Ein Verbot käme hier auch einem Verbot von "Killerspielen" gleich. Schnell alles unter den Teppich kehren.

Während potentielle Vergewaltiger laufend in der Schule das andere Geschlecht missachten, schlecht behandeln etc. werden von den Lehrern nur Standpauken gehalten, Verweise geschrieben oder gar nichts gemacht. Von den Eltern wird erst recht nichts gemacht, weil die mit ihrem Kind gar nicht zurecht kommen. Erst, wenn es zu spät ist, "wenn man den Salat hat", dann ist die Schreierei groß.

Während potentielle Amokläufer monatelang an der Schule gemobbt werden, keine Freunde haben und von Elternseite (und Politik) wegen den schlechten Noten unter Druck gesetzt werden, solange kümmert sich keiner. Erst, wenn es zu spät ist, "wenn man den Salat hat", dann ist die Schreierei groß.

Das soll jetzt nicht wieder in eine Killerspieldiskussion ausarten, die Symptomatik ist aber die gleiche.

easy77 hat geschrieben:Hier ist auch selten eine bestimmte Gruppe, die eine Andere zum Untermenschen degradiert, während sie sich selbst aufwertet.

Ach nein? Was ist denn mit den diversen Call of Duty-Spielen? Erschießt man da nicht Nazisoldaten? Womöglich sind das ja welche, die gar nichts mit Nazis am Hut haben, aber erschossen werden würden, wenn sie sich nicht für Deutschland in den Kampf begeben würden.
Sollte ich, als Halb-Amerikaner, dann nicht alle ehemaligen Nazisoldaten aufsuchen und erschießen? Könnte man meinen. Fazit: Killerspiele sollten verboten werden, man hetzt ja gegen eine Bevölkerungsgruppe.

Du beschwerst dich über die Ungerechtigkeit gegenüber einer bestimmten Bevölkerungsgruppe. Anders wäre es "undenkbar".
Ich wurde im Internet schonmal von einem Juden angepöbelt, weil ich (zumindest Halb-)Deutscher bin. Er war ca. 20 und hatte diese Hassbotschaft offensichtlich von seinem Großvater im Sterbebett mitbekommen. Würde ich jetzt umherziehen und Juden anpöbeln, würde ich vermutlich nicht unweit von einer Gefängniszelle landen. Aber wenn Juden das gegenüber Deutschen machen... wird das hingenommen.

Ich hetze - weiß Gott - nicht gegen Juden. Aber wenn ein Jude von seinem vom Krieg gezeichneten Großvater eine Hassbotschaft für alle Deutschen mitbekommt und auch noch blind danach handelt, dann kann ich nur den Kopf schütteln und betrauern, dass dieser 20jährige nichts aus dem 2. Weltkrieg gelernt hat.

easy77 hat geschrieben:Dies kann bis zu einer Verrohung führen und bewirken, dass Sexualität und Gewalt immer mehr zueinander gehören, den Konsumenten erregen.

Gibt es da eine Quelle? Das ist genau der gleiche "Es ist erwiesen..."-Mumbo Jumbo wie man von diversen Politikern zur Killerspieldiskussion hört.

easy77 hat geschrieben:Hier bin ich sehr wohl für Einschränkungen durch den Gesetzgeber, denn eine Demokratie ist nicht nur für Freiheit zuständig, sondern auch für den Schutz seiner Bürger!

Und den Schutz bietet er ja. Wird jemand von jemand anderem vergewaltigt, würde die Polizei den Täter oder die Täterin sofort festnehmen.
Das Hören von Pornorap ist sicher genausowenig die Ursache für Vergewaltigungen wie es Killerspiele für Amokläufe sind. Beide sind höchstens Symptome in den entsprechenden Fällen.
I am a child torn by twin desires.
I stand before a door.
My right hand calls to the light,
My left hand ushers in darkness.
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