Sido-Lied indiziert

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Sido-Lied indiziert

Beitragvon Don Bastardo » 27.09.2005, 09:58

irgendwas von Sido wurde letztens indiziert
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Beitragvon Webmaster » 27.09.2005, 13:30

Wer weiß näheres? Infos, Neuigkeiten, Links?
ein nein zur Zensur ist kein nein zum Jugendschutz
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Beitragvon Jeff America » 27.09.2005, 13:47

Es handelt sich um "Maske" sowie ein paar anderen Alben. :arrow: http://www.laut.de/vorlaut/news/2005/09/23/00255/
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Beitragvon Webmaster » 27.09.2005, 13:54

Danke für die Info :D
:arrow: http://www.medienzensur.de/cgi-bin/news/link.pl?237

Da ich kein Aggro Berlin höre, stoße ich meist nur durch Zufall auf Neuigkeiten aus diesem Bereich.
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Beitragvon Jeff America » 27.09.2005, 14:24

Ich hör auch kein HipHop (schon gar nicht Aggro Berlin), hab den Thread gelesen, gab "sido indiziert" bei google ein und schon hatt ichs. :D
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Beitragvon Manuel » 27.09.2005, 20:36

Das ist eine Unverschämtheit! Besonders bei Maske! Das ist alles andere als jugendgefährdend! :dagegen:
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Beitragvon Jeff America » 27.09.2005, 20:57

Naja, die Indizierung bringt ja auch nicht wirklich was, aus dem heise-Bericht:

Im Hause Aggro dürfte die neuerliche Indizierung eher als weiterer Ritterschlag empfunden werden, zumal sie reichlich spät erfolgt. So stammt etwa "Maske" aus dem Jahr 2004 und erreichte seinerzeit Platz 3 der deutschen Albumcharts, das jetzt indizierte Bushido-Album ist sogar schon seit 2003 auf dem Markt - und wurde seinerzeit vom laut.de-Hip Hop-Experten als "Classic-Material" abgefeiert. Ob die nun bevorstehenden Handelsbeschränkungen dem Absatz schaden, darf also eher bezweifelt werden.
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Beitragvon flaschebier » 29.09.2005, 14:20

Also bei Maske find auchs auch total dämlich!
Im gegensatz zu den Ansagen ist Maske doch nicht Gewalt/ Drogenverherlichent? Und Rasistisch sowieso nicht....

Also ich denke die ham vor kurzem gesehen, dass "Aggro" drauf steht, nen Schreck bekommen.."Oh nein, das sind doch diese Skandalrapper, schnell auffen Index mit denen...." und fertig wars....
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Beitragvon EL_Marto » 29.09.2005, 14:26

Es gibt viel schlimmere Alben von Berlin Untergrund die nicht verboten werden.
Es gibt ja auch "Berlin Untergrund-Der Film Teil1",aber bei dem weiß ich nicht ob er verboten ist.
Keine Macht der Zensur!!!
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Beitragvon flaschebier » 30.09.2005, 11:25

Hab den Film gesehen und wüsste nicht warum!
Eigentlich nehmen sich alle Rapper ziemlich zurück...
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Beitragvon ugo-piazza » 26.10.2005, 19:03

Mit Schreiben vom 01.07.2004 regte das Haus der Kinder- und Jugendhilfe Maria Rosenberg, Waldfischbach, die Indizierung des Tonträgers an. Die Liedtexte verherrlichten auf übelste Art Mord, Totschlag, Überfall, Missbrauch und Vergewaltigung. Die Lieder könnten einer-seits aus dem Internet heruntergeladen werden und die CDs seien andererseits in den großen Mediamärkten erhältlich.

Mit Schreiben vom 20.7.2004 beantragte auch das Jugendamt Berlin-Mitte die Indizierung der CD. Die Texte stellten sich sexualethisch desorientierend dar, indem sie Menschen auf entwürdigende Art zu sexuell willfährigen Objekten degradierten und bisweilen zusätzlich frauenfeindlich und/oder rassistisch seien.

...

Der Verfahrensbevollmächtigte überreicht ergänzend eine Stellungnahme des Kunsthistori-kers und Kultursoziologen Dr. Roland Seim vom 2.3.2004 und nimmt darauf Bezug.

...

In einem vorausgehenden Indizierungsverfahren zu einem anderen Tonträger des Verfahrens-beteiligten hatte der Verfahrensbevollmächtigte bereits eingewandt, dass ein von Aggro Berlin produzierter Bildtonträger, die DVD „Aggro Berlin Tour-Video“, eine Freigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) erhalten habe und zwar die Kennzeichnung „freigegeben ab 16 Jahren“. Einige Lieder des verfahrensgegenständlichen Tonträgers seien auf diesem Musikvideo enthalten.
Auf Nachfrage der Bundesprüfstelle übersandte die FSK am 5.5.2004 die Prüfunterlagen zu der vom Verfahrensbevollmächtigten genannten „Tourvideo“-DVD. Die Unterlagen enthielten die Freigabebescheinigung vom 26.1.2004 (Prüfnummer 96 735, „freigegeben ab 16 Jahren“), eine von Aggro Berlin erstellte Inhaltsauflistung der Video- und Konzertclips sowie das Protokoll der Einzelprüfung im vereinfachten Verfahren vom 19.12.2003. Der Einzelprüfer kommt dort zu der Auffassung, der durchgängig äußerst aggressive Habitus der Gruppe und ihres Umfeldes, die obszöne, aggressive, äußerst sexistische Sprache („arschgefickter Hurensohn“) sprächen gegen eine Freigabe unter 16 Jahren. Die unverhohlene Anpreisung von Drogen, Sex mit Prostituierten, verächtliches, gewaltbereites Verhalten mit unverkennbarer Ansprache an ein jugendliches Publikum, verstärkt in den Clips, wo der Zuspruch an hemmungslose Gewalt und sexuelle Ausbeutung immens deut-liche, jugendaffine und nicht ohne weiteres als Kunst dechiffrierbare Züge trage, mache eine Jugendfreigabe im vereinfachten Verfahren unmöglich. Es werde daher gebeten, die Prüfkassette in die Prüfausschüsse weiterzugeben.
Weitere Unterlagen darüber, welches Prüfgremium der FSK das Tourvideo für 16-jährige freigegeben hat und auf Grund welcher Erwägungen diese Freigabe erfolgte, liegen nicht vor.

Nachdem die Verfahrensbeteiligte die von der FSK gekennzeichnete DVD „Tourvideo“ bei der Bundesprüfstelle eingereicht hatte, wurde auf Grund einer Inhaltsabgleichung festgestellt, dass auch das auf dem verfahrensgegenständlichen Tonträger„Maske“ enthaltene Lied Nr. 05 („Maske“) mit identischem Text im „ab 16“ freigegebenen Tourvideo enthalten ist.

In der Sitzung des 12er-Gremiums am 01.09.2005 nahm der Verfahrensbevollmächtigte noch einmal umfassend zu den Hintergründen der Hip-Hop- und Rapmusik und zu den einzelnen Liedern Stellung.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Prüfakte und auf den der CD Bezug genommen. Im Einverständnis mit der Verfahrensbeteiligten und dem Verfahrensbevollmächtigten wurden die Lieder der CD in der Sitzung des 12er-Gremiums jeweils in Auszügen gehört. Alle Liedtexte lagen den Beisitzerinnen und Beisit-zern vor. Das Lied „Mein Block“ wurde nicht angehört, da dieses bereits im Verfahren zu der CD „Aggro Ansage Nr. 3“ als nicht indizierungsrelevant angesehen worden war.

Der Tonträger „Die Maske“ des Interpreten „Sido“, Aggro Berlin, Berlin, war wie beantragt und angeregt in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen.

Ausschlaggebend für die Listenaufnahme war ausschließlich Lied Nr. 08 („Endlich Wochen-ende“).

Das 12er-Gremium der Bundesprüfstelle hat die Lieder Nr. 04 „Mein Block“ und Nr. 05 „Maske“ aus seiner Prüfung und Entscheidung ausgenommen.
Lied Nr. 04 „Mein Block“ wurde bereits im Rahmen des Indizierungsverfahrens zu der CD „Aggro Ansage Nr. 3“ von Aggro Berlin (E 5266 vom 2.12.2004, bekannt gemacht im Bun-desanzeiger Nr. 249 vom 31.12.2004) als nicht indizierungsrelevant eingestuft.
Lied Nr. 05 „Maske“ ist auf einer DVD enthalten, die von der FSK das Kennzeichen „freigegeben ab 16 Jahre“ erhalten hat.

Gemäß § 18 Abs. 8 Satz 1 JuSchG findet die Indizierung keine Anwendung auf Medien, die ein Alterskennzeichen der FSK oder USK aufweisen. Kennzeichnungspflichtige Medien sind die so genannten Bildträger, d.h. Filme, Film- und Spielprogramme. Die verfahrensgegen-ständliche Audio-CD ist zwar kein Bildträger, das erwähnte Lied Nr. 05 ist allerdings auch auf einem von der FSK als „freigegeben ab 16 Jahren“ gekennzeichneten Bildträger, dem „Aggro Berlin Tour-Video“, enthalten. Der Text des Liedes ist auf CD und Tourvideo identisch, daher sieht die Bundesprüfstelle diese Bestandteile von Video und CD als im Wesentlichen inhaltsgleich an.
Aus Gründen des Vertrauensschutzes sind inhaltsgleiche Medien von einer unterschiedlichen Beurteilung mehrerer staatlicher Stellen ausgenommen. Urheber, Hersteller und Vertreiber müssen sich darauf verlassen können, dass ein Medium, welches verbindlich als nicht jugend-gefährdend eingestuft wurde, nicht in inhaltsgleicher Form an anderer Stelle für jugendge-fährdend befunden wird. Da die FSK, die im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden verbindliche Alterskennzeichen vergibt, mit ihrer Kennzeichnung „freigegeben ab 16 Jahren“ den Inhalt des Tourvideos - somit auch das oben erwähnte Lied - als nicht jugendgefährdend eingestuft hat, ist über den inhaltsgleichen Teil der CD von Seiten der Bundesprüfstelle nicht mehr neu zu befinden.

Von den verbleibenden, durch das 12er-Gremium zu überprüfenden Liedern der CD ist nach Auffassung der Beisitzerinnen und Beisitzer lediglich Lied Nr. 08 geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal „Gefährdung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihrer Erziehung zu einer eigenverantwortli-chen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ in § 18 Abs. 1 Satz 1 JuSchG nach ständiger Spruchpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtsprechung auszulegen ist.

Der Oberbegriff des Gesetzes „sittlich zu gefährden“, der im Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften und Medieninhalte formuliert war, ist in dem seit dem 01.04.2003 geltenden Jugendschutzgesetz nunmehr ersetzt worden durch den oben genannten Begriff. Gleichwohl ist der anzulegende Prüfungsmaßstab für die Jugendgefährdung davon nicht berührt. In der Begründung zum Jugendschutzgesetz (Drucksache 14/9013, S. 58) wird ausdrücklich erwähnt, dass sich die Beurteilungskriterien inhaltlich nicht durch die neue Formulierung verändert haben.

Nach § 18 Abs. 1 Satz 2 JuSchG sind Medien u.a. dann jugendgefährdend, wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen.
Neben den in § 18 Abs. 1 Satz 2 JuSchG als Regelfälle aufgelisteten Medien kann die Bundesprüfstelle weitere Medieninhalte als jugendgefährdend einstufen.
Dazu zählen z.B. nach ständiger Spruchpraxis, bestätigt durch höchstrichterliche Rechtspre-chung, NS- verherrlichende Medien. Dazu können aber auch Inhalte zählen, die zum Drogenkonsum anreizen, z.B. durch Anleitung zu Anbau, Herstellung oder Konsum von Cannabisprodukten (Nikles, Roll, Spürck, Umbach, Kommentar zum Jugendschutzrecht, § 18 Rn. 6).

Nach der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle werden daher auch Medien indiziert, die den Drogenkonsum verherrlichen oder verharmlosen. Nach Einschätzung des 12er-Gremiums bedeutet ein Verherrlichen oder Verharmlosen, dass mit einer überzeugt positiven Bewertung des zu verherrlichenden oder verharmlosenden Sachverhalts gleichzeitig eine gewisse Realitätsferne einhergeht, die sich z.B. in einem (bewussten oder unbeabsichtigten) Ausblenden von Fakten offenbart.

Die Beisitzerinnen und Beisitzer des 12er-Gremiums haben sich intensiv mit der Problematik des Drogenkonsums von Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt. Sie sind sich des Umstandes bewusst, dass der Konsum von Drogen, wie z.B. Hasch und Ecstasy unter Jugendlichen zum Teil stark verbreitet ist.

Der Interpret beschreibt in Titel Nr. 08 ein für ihn „normales“ Wochenende, an dem er so viele Drogen wie nur möglich konsumiert. Hasch, Ecstasy und Kokain gehören für ihn zum Wochenende selbstverständlich dazu. So heißt es:
„Ich nehm jeden Tag Drogen, mal weniger mal mehr! /Mal mit Action und mal ganz leger! /Doch am Wochenende geht's erst richtig los! /Pillen fressen, Nasen ziehn, Wodka saufen, Prost! /Freitag ist Hightag, vielleicht ein paar Drinks! /5 dicke Joints und 10 Tequila mit links! /…/Noch vor dem Club holt Egon die E's raus,
Technoparties auf Extasy, Ich steh drauf!/Rein in den Club, umgeguckt, dann zur Bar /Wodka-Redbull und 'ne Pille mit ins Glas! /Nur noch kurz warten, das Zeug wirkt langsam!/Doch wenn es wirkt, dann kann das Wochenende anfangen!/Refrain: Endlich Wochenende! Unendlich viele Drogen nehmen! /Endlich Wochenende! Die Welt mit andern Augen seh'n! /Endlich Wochenende! Los, wir werden high!/Endlich ist wieder 'ne Scheißwoche vorbei! /…/Mittlerweile ist Samstag und Egon plant 'n An-schlag,/auf mich mit Koks und 'ner Kreditkarte im Anschlag /Ich seh wie er Angst hat, als er sieht wie Ich zieh! /Ein Gramm, eine Nase, Ich geb mir echt Mühe! / Samstagabend, Ich hab noch nicht geschlafen! Nur gezogen/und bin 'n bisschen durch die Stadt geflogen!...“

Kindern und jugendlichen Rezipienten wird durch diesen Liedtext ein Bild vermittelt, wonach der Genuss von Drogen zu einem „guten Wochenende“ selbstverständlich dazugehört. In dem Text wird der Konsum von Betäubungsmitteln verherrlicht, ohne dass kritische, relativierende Elemente hinzukommen. Angesichts des Umstandes, dass sich der Interpret unter Jugendlichen großer Beliebtheit erfreut, ist anzunehmen, dass auch der von ihm verkörperte Lebensstil bei Jugendlichen zu Nachahmungseffekten führen kann.

Der Künstler mag an anderer Stelle durchaus ein gesellschaftsadäquateres Verhältnis zu Dro-genmissbrauch haben oder propagieren, dieser Liedtext vermittelt jedoch ausschließlich ein positives Bild von Drogenkonsum. Wenn die Texte des Künstlers gerade provozieren sollen, ist damit auch die große Gefahr verbunden, dass jugendliche Zuhörer ihre eigene Ansicht über Drogenkonsum nach dem hier zutage tretenden Bild gestalten. Das vermittelte Klischee, zu einem Disco-Besuch gehöre die Einnahme von Ecstasy selbstverständlich dazu, wird insofern an keiner Stelle korrigiert. Auf Grund der üblichen Verbreitungswege uneingeschränkt zu-gänglicher Musiktitel können und werden diese immer auch Jugendliche erreichen, die den jeweiligen Text vollständig isoliert von möglicherweise andernorts propagierten und den Text relativierenden Verlautbarungen der Interpreten wahrnehmen.

Der Drogenkonsum wird in dem verfahrensgegenständlichen Liedtext derart positiv geschil-dert, dass das Gremium den Grad der von dem Text ausgehenden Jugendgefährdung als schwer i.S.v. § 18 Abs. 2 Nr. 5 JuSchG bewertete.

Auch Lied Nr. 13 wurde vom Gremium unter Jugendschutzgesichtspunkten als sehr bedenklich eingestuft, insbesondere die Textzeile, in der der Interpret eine Suizidwillige, die sich aus Liebeskummer vom Dach eines Gebäudes stürzen will, mit den Worten „Na los, spring doch!“ dazu auffordert, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Das Gremium sah hier die Gefahr des Empathieverlustes gegeben, ist jedoch der Auffassung, dass diese Zeile gegen Ende des Liedes dahingehend relativiert wird, als der Interpret ausdrücklich sagt, die Fans sollen sich nicht an ihm orientieren, sondern „ihr Leben leben“. Aufgrund dieser Relativierung hat das Gremium hier eine Jugendgefährdung letztendlich verneint.

Die Entscheidung über eine Listenaufnahme erfordert vorliegend vom 12er-Gremium eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich das Grundrecht der Kunstfreiheit aus Art. 5 Abs. 3 GG auf die zweifelsfrei zu bejahende Jugendgefährdung auswirkt.
Das Grundrecht der Kunstfreiheit aus Art. 5 Abs. 3 GG ist grundsätzlich in allen Entschei-dungen der Bundesprüfstelle zu beachten. Nach der vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Definition ist alles Kunst, was sich darstellt als „freie schöpferische Gestaltung, in der Erfahrungen, Eindrücke oder Phantasien des Urhebers zum Ausdruck kommen“. Ohne Zweifel werden die Lieder der CD von der Kunstfreiheit umfasst, denn auch die Verwendung eines jugendgefährdenden Themas steht dem Künstler im Rahmen dieses Grundrechts zu.

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 27.11.1990 (NJW 91, 1471 ff.) hat jedoch auch der Jugendschutz Verfassungsrang, abgeleitet aus Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 2 GG. Der Bundesprüfstelle ist durch die benannte Entscheidung aufgegeben, zwischen den Verfassungsgütern Kunstfreiheit und Jugendschutz abzuwägen und festzustellen, welchem der beiden Rechtsgüter im Einzelfall der Vorrang einzuräumen ist. Dabei ist bei einem Werk nicht nur die künstlerische Aussage, sondern auch die reale Wirkung zu berücksichtigen.
Die Musik der Künstler von Aggro Berlin stellt eine neue Ausprägung der Rapmusik in Deutschland dar, in deren Texten die Rapper ihr Alltagsleben schildern, das sich zum großen Teil in den Wohnblocks Berliner Problemviertel abspielt. Insofern geben viele Textpassagen den in diesen Stadtteilen häufig üblichen rauen Umgangston wieder, auch die bei einigen Bewohnern vorherrschende Frustration über mangelnde Zukunftsperspektiven. Den Liedern des Albums ist ein kritisches, authentisches Element durchaus zu entnehmen. Ebenso hatten die Beisitzerinnen und Beisitzer des 12er-Gremiums bei ihrer Entscheidung zu berücksichtigen, dass die Lieder der CD häufig als „Battle-Rap“ zu verstehen sind, dessen Sinn und Ausprägung das Niedermachen eines realen oder imaginären Gegners/Konkurrenten ist. Es handelt sich also um ein Kräftemessen und einen Schlagabtausch im Wege der jeweiligen Wortwahl.

Nach Auffassung des 12er-Gremiums ist im Falle des Liedes Nr. 04 („Mein Block RMX“) von Sido bei der Abwägung zwischen Kunstfreiheit und den Belangen des Jugendschutzes der Kunst der Vorrang einzuräumen. Zwar wird auch in diesem Lied ein diskriminierendes und herabwürdigendes Frauenbild präsentiert und es finden sich Passagen, die nach Auffassung des Gremiums zumindest im Grenzbereich zur Pornographie angesiedelt sind. In der Gesamt-betrachtung stellt sich dieses Lied jedoch als die authentische Schilderung des Alltags in einem sozialschwachen und problembelasteten Stadtteil bzw. Wohnghetto dar. Der Rapper zeigt hier mittels seiner Sprache, die für das geschilderte soziale Umfeld typisch ist, in wel-cher Art und Weise die Bewohner solcher Stadtteile miteinander umgehen und welche Ereignisse ihr tägliches Leben bestimmen. Das Gremium bestätigt diesem Text insoweit deut-lich sozialkritische Äußerungen und hat daher die Kunstfreiheit als vorrangig angesehen.

Ebenfalls sah das Gremium die Titel 09 („3 Leben“) und 10 („Knast“) als sozialkritische Mi-lieubeschreibungen an und hat daher der Kunstfreiheit den Vorrang eingeräumt.

Hinsichtlich des Liedes Nr. 07 („Sido und die Drogen“), hat das Gremium festgestellt, dass vorliegend Drogenkonsum mit dem Stilmittel der Ironie kritisch beleuchtet und keinesfalls verherrlicht wird. Der Interpret stellt sich als „Sido aus dem Ghetto“ dar, der nichts kann und infolge übermäßigen Drogenkonsums ständig scheitert. Dieser Liedtext zeigt auf ironische Art und Weise die negativen Folgen von Drogenkonsum auf. Die Ironie und die negativen Folgen des Drogenkonsums sind hier auch für jugendliche Hörerinnen und Hörer deutlich wahrzu-nehmen.

Ganz im Gegensatz zu diesem eher kritischen Text wird nach Ansicht des Gremiums in dem indizierungserheblichen Lied Nr. 08 („Endlich Wochenende“) Drogenkonsum verherrlicht. Der Interpret bekundet, dass zu einem guten Wochenende der Genuss von Hasch, Kokain und Ecstasy selbstverständlich dazugehöre. Der Einlassung des Verfahrensbevollmächtigten, der Text sei kritisch gemeint und durch die Verwendung des Begriffs „Junkie“ halte der Künstler Personen, die am Wochenende übermäßig Drogen konsumieren, einen Spiegel vor und entlarve, dass diese sich letztendlich nicht groß von Junkies unterscheiden, konnte sich das Gremium nicht anschließen. Der Text müsse von diesen vielmehr als Aufforderung zum Drogenkonsum verstanden werden, da der Interpret diesen als höchsten Genuss verherrlicht. Dem Text ist ein kritisches, authentisches Element nicht zu entnehmen bzw. nicht in einer für die Abwägung relevanten Deutlichkeit. Es ist grundsätzlich bei der Abwägung der Rechtsgüter Kunstfreiheit und Jugendschutz zu prüfen, ob eine durch die künstlerische Bearbeitung erfolgte „Brechung“ tatsächlich auch für Jugendliche erkennbar wird. Nach Ansicht des Gremiums finden sich in dem Text keine Anhaltspunkte für Ironie oder Satire bzw. würde diese Art der „Ironie“ nicht von durchschnittlichen Jugendlichen verstanden.

Der Verfahrensbeteiligten bleibt es unbenommen, die nicht von der Indizierung umfassten Lieder auszukoppeln und auf einer neuen CD herauszubringen.


Ergänzend sei angemerkt, dass das 12er-Gremium die Texte der Lieder Nr. 14 („Glas hoch !“)
und 15 („Die Sekte“) für problematisch hält, da in diesen Texten die bereits in der Indizierungsanregung erwähnten Tendenzen der Frauenfeindlichkeit (14: „ …dann such ich mir ne Frau und (und) die weiß genau, dass (dass) wenn sie schon mit ins Hotelzimmer darf, muss sie ficken wie ne Sau (auh)….“) und Verrohung (15: „… scheiß auf Bodyguards und Weste, wenn ich dein Genick breche…“) ansatzweise zu finden sind. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass bestimmte Lieder (Nr. 5) von der FSK mit „freigegeben ab 16 Jahren“ gekennzeichnet wurden und damit eine Beeinträchtigung von über 16-Jährigen sowie eine Jugendgefährdung verneint wurde, sind die Beisitzerinnen und Beisitzer jedoch zu der Auffassung gelangt, dass die Texte der Lieder Nr. 14 und 15 nicht derart bedenklicher sind, als dass sie die Annahme einer Grenzüberschreitung zur Jugendgefährdung rechtfertigen würden. Nichtsdestotrotz erachtet es das Gremium als notwendig, dass sich Eltern und Lehrkräfte diese negativen Tendenzen noch mehr bewusst machen und ihnen möglichst entgegenwirken.

Das oben zitierte Lied Nr. 08 des Tonträgers ist jugendgefährdend, verletzt jedoch nach Auf-fassung des 12er-Gremiums keine der in § 18 Abs. 2 Nr. 2 JuSchG genannten Strafrechtsvorschriften. Die CD war daher in Teil A der Liste der jugendgefährdenden Medien einzutragen.

Ein Fall von geringer Bedeutung liegt nach Auffassung des 12er-Gremiums nicht vor. Schon die Schwere der Jugendgefährdung verbietet die Annahme einer Geringfügigkeit.
Auf Grund der Verkaufszahlen des Tonträgers und der heutigen technischen Möglichkeiten des CD-Brennens gehen die Beisitzerinnen und Beisitzer auch von keinem nur geringen Verbreitungsgrad aus.


(Quelle: http://www.gemeinschaftsforum.com/bbs/i ... 04.30.html)
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Beitragvon Don Bastardo » 28.10.2005, 15:41

ARGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGGG :wand: :wand: :wand: :wand:
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Beitragvon Manuel » 25.02.2006, 19:27

Das sind alle indizierten Alben und die Songs dazu!

Aggro Berlin:

Aggro Ansage Nr.2: Psycho Neger B, Pussy
Aggro Ansage Nr.3: Bums mich, call-a-neger, Disziplin Skit, Für die Sekte
Aggro Ansage Nr.4: Küss die Faust, Ich rappe RMX, Macho, Der Ficker
Maske: Endlich Wochenende
Vom Bordstein bis zur Skyline: Eine Kugel reicht, Tempelhof Rock, Dreckstück, Pussy

Bushido:

King of Kingz: Mittelfingah, Superheroez, Mit dem Schwanz in der Hand, Mit dem Schwanz in der Hand RMX

Maske X ist bereits erschienen! Ansage Nr.2-Nr.4 X wird auch bald erscheinen! Die indizierten Songs wurden einfach entfernt und durch andere ausgetauscht!
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Beitragvon Don Bastardo » 25.02.2006, 22:01

die titel sind schonmal scheiße
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Beitragvon Jeff America » 25.02.2006, 23:35

Nicht nur die Titel... ok ich hör ja schon auf, sorry ;)
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