Meine Übersicht zu "Zensur und Jugendschutz"

Allgemeine Themen über Zensur, die sonst nirgendwo passen, z.B. Kontrollstellen (FSK, USK, usw.) oder Kurioses.

Meine Übersicht zu "Zensur und Jugendschutz"

Beitragvon heinz2 » 25.02.2009, 14:08

Hallo zusammen,

ich wollte mir einfach mal einen Überblick auf die doch sehr komplizierte Situation in Deutschland bezüglich Zensur und Jugendschutz verschaffen. Mich interessiert hauptsächlich die Situation bei DVDs. FSK, SPIO, Jugendgefährdung, Indizierung, Beschlagnahmung, strafrechtliche Relevanz etc. hat mich alles etwas verwirrt und ich habe mir eine Art Merkzettel gemacht. :D

Meine Bitte an Euch: Schaut doch mal drüber und korrigiert mich! Ist alles vollständig, sind die Informationen korrekt?

Vielen Dank!

http://rapidshare.com/files/202366424/Zensur_und_Jugendschutz.pdf.html
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Beitragvon Pyri » 25.02.2009, 21:47

Soweit ich weiß führt schon ein Verdacht auf "einfache Jugendgefährdung" zur Ablehnung eines Kennzeichens der FSK: und zwar bei Videofilmen.

Also das stimmt sinngemäß was im PDF Steht. Jedoch geht die Skala von "ab 0" bis "ab 18" - also müsste es statt "Verweigerung der Jugendfreigabe", "Verweigerung des Kennzeichens" heißen...
Und allerdings fehlt da ein entscheidender Begriff, nämlich der der "Jugendbeeinträchtigung": alles was von der FSK "keine Jugendfreigabe" erhalten hat, also das was jetzt einfacher "ab 18" heißt, ist "jugendbeeinträchtigend".
Im Video-Format ist alles was "jugendgefährdend" ist ein Fall für die BPJM (Indizierung).
Allerdings kommt es in der Praxis wirklich viel auf die USK-Gutachten an - da musste fürs Kino geschnitten werden und später konnte ein Film doch unzensiert mit gleicher Freigabe auf Video erscheinen.

"Generell keine indizierten oder beschlagnahmten Filme" im Kino - na ja, ich denke mal, wenn ein Programmkino in Deutschland den letzten Film von Pasolini (indziert) zeigen möchte, dann wird es keine Probleme geben...
Dann käme es eben mal drauf an, aber ich glaube das passiert sowieso gelegentlich - nur gehts da halt eher um Sachen fürs Multiplex beim Jugendschutz. Das mit dem Kunstgewand find ich persönlich ja am allerproblematischstem - wie manche Dinge als anderen überlegen gesehen und nicht beanstandet werden (Rede von "Gestaltungshöhe" etc.).

Automatisch indiziert wird soweit ich weiß nur Pornographie.

Das mit der Beschlagnahmung ist so eine Sache - mir ist kein Erzeugnis der internationalen Filmwirtschaft bekannt, dass in den letzten 25 Jahren wegen etwas anderem als "Gewaltdarstellung" in Deutschland beschlagnahmt (und dann eingezogen) worden wäre.
Und theoretisch kann auch ein Film "ab 6" davon betroffen sein, da dies Strafrecht ist, und EIGENTLICH Vom Jugendschutz völlig unabhängig sein sollte.
Ansonsten gibt es so ein Gesetz auch nur noch in der Schweiz, und dort wird es kaum angewandt. Einen vergleichbaren Index gibt es überhaupt nirgends auf der Welt, dafür in Großbritannien und Australien tatsächliche (Vor-)Zensur, weil die Bundesfamilienministerin würde wohl dagegenreden, dass es sich dabei überhaupt um Zensur handelt ;) Bei diesen Jugendschutzmaßnahmen in Deutschland ;)

Bei Gewaltdarstellung ist dann aber auch die gesamte VERBREITUNG In Deutschland verboten. Der ganze Handel - ob gebraucht, oder neu. Da gab es nach Angeboten auf ebay angeblich schon Hausdurchsuchungen
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Beitragvon heinz2 » 26.02.2009, 14:06

Danke für deine Anregungen.
Aber ich verstehe folgendes nicht:

Bei Wikipedia steht:

Bei Kinofilmen wird die Jugendfreigabe verweigert, wenn der Film offensichtlich schwer jugendgefährdend ist; Jugendfreigaben sind nur bei einer höchstens „einfachen Jugendgefährdung“ und bei einer etwaigen „Jugendbeeinträchtigung“ möglich. Wird der gleiche Film dann auf einem Bildträger (Videokassette, DVD) veröffentlicht, wird die Jugendfreigabe bereits verweigert, wenn ein Fall von einfacher Jugendgefährdung vorliegt.


Kann es sein, dass hier "Jugendfreigabe verweigert" mit "Kennzeichen verweigert" verwechselt wurde?
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Beitragvon Pyri » 26.02.2009, 17:51

Erstmal Danke für den Hinweis.

Ja genau. Eben! Sowas. Sehr seltsam -

die Rede von "Jugendfreigaben" dort.
Ich vermute mal da hatte jemand bei der FSK (analog auch USK Für Unterhaltungssoftware, nur die Kino-Video-Unterscheidung gibts dort halt nicht so) etwas dagegen, dass korrekter von "keinen Erwachsenenfreigaben" gesprochen wird.
Denn offiziell betreiben diese Einrichtungen ja auch keine "Zensur"...
Weil bislang waren ja immer schon die "ab 18"-Kennzeichen mit "keine Jugendfreigabe" angegeben.
Also meinem Kenntnisstand nach war ein "ab 18" so immer mit einer Rede von "Jugendbeeinträchtigung", im Unterschied eben zu einfacher und schwerer "Jugendgefährdung", verbunden.

Ich hab das jetzt zwar nicht gefunden dort - in welchem Artikel steht das - aber es wär auch nicht das erste Mal, dass ich in diesem Bereich Fehler auf der Wikipedia gefunden hätte und da macht es glaub ich auch nicht allzuviel Sinn das selbst zu ändern oder die Betreiber darauf aufmerksam zu machen.
Womöglich will die FSK Auch nicht, dass manches zu publik wird, dass sie Kennzeichen für die BPJM Und indirekt auch für Gerichte verweigern. Wenn man diese scheinbare Verwechslung also ausbessern würde käme womöglich ein FSK-Repräsentant daher und würde das wieder zu "möglicherweise jugendgefährdend" oder so ändern. Was ja auch korrekt wäre. Dass in der Praxis dies sogar sehr oft geschieht, das Verweigern von Kennzeichen, sonst hätte die Bundesprüfstelle ja auch wesentlich weniger zu tun, weiß aber wohl jeder der sich mal näher damit beschäftigt hat.
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Beitragvon heinz2 » 27.02.2009, 17:51

Also Tatsache ist wohl, dass jugendbeeinträchtigende Medien ein "FSK ab 18"-Kennzeichen bekommen.

Jugendbeeinträchtigend [...] sind Medien, wenn sie die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit negativ beeinflussen können. Aus diesem Grund werden Trägermedien mit Film- oder Spielprogrammen (Filme und Bildträger) nur für bestimmte Altersgruppen freigegeben [...].


Quelle: BAJ

Jugendbeeinträchtigung (unterhalb von Gefährdung) - Medium: Kinofilm, Video, DVD - "keine Jugendfreigabe"


Quelle: SPIO/FSK (PDF)

Und was wir auch wissen...

Eine Jugendgefährdung ist schwerwiegender als eine Jugendbeeinträchtigung. [...] Filme und Bildträger [...], die wegen möglicher Jugendbeeinträchtigung mit „keine Jugendfreigabe“ gekennzeichnet sind, sind zugleich darauf geprüft, dass sie keine Jugendgefährdung bewirken können [Anmerkung von mir: Das bezieht sich jedoch nicht auf Kinofilme]. Wenn sie jugendgefährdend sein könnten, erhalten sie keine Alterskennzeichnung.


Quelle: BAJ

Mein Zitat stammt übrigens aus dem Wikipedia-Artikel zur FSK. Ich finde schon, dass man was gegen diese Falschinformation unternehmen muss. Habe den Artikel entsprechend editiert, noch wird diese "ungesichtete Version" nicht angezeigt. Meiner Meinung nach ist der Abschnitt so richtig:

Bei Kinofilmen wird ein FSK-Kennzeichen verweigert, wenn der Film offensichtlich schwer jugendgefährdend ist; eine FSK-Freigabe ist nur bei einer höchstens „einfachen Jugendgefährdung“ und bei einer etwaigen „Jugendbeeinträchtigung“ möglich. Wird der gleiche Film dann auf einem Bildträger (Videokassette, DVD) veröffentlicht, wird ein Kennzeichen bereits verweigert, wenn ein Fall von einfacher Jugendgefährdung vorliegt.[1] Filme, die eine „FSK ab 18“-Kennzeichnung haben, können von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht mehr indiziert werden. Auch wenn ein Verdacht auf einen Straftatbestand (beispielsweise Gewaltverherrlichung, § 131 StGB) besteht, so kann die FSK-Freigabe verweigert werden. In diesem Fall kann der Film der Juristenkommission (JK) der SPIO vorgelegt und auf strafrechtliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Trotz der entsprechenden Prüfung der JK kann ein Film sowohl indiziert als auch beschlagnahmt werden, jedoch schützt das entsprechende Signet die Beteiligten weitgehend vor individueller strafrechtlicher Verfolgung.
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Beitragvon Pyri » 27.02.2009, 22:44

Ja genau so sehe ich das auch.
Hervorragend. Vielen Dank für diese Korrekturen!
Ich habe soeben festgestellt, dass diese richtigerweise nun tatsächlich dort zu lesen sind:
Bei Kinofilmen wird ein FSK-Kennzeichen verweigert, wenn der Film offensichtlich schwer jugendgefährdend ist; eine FSK-Freigabe ist nur bei einer höchstens „einfachen Jugendgefährdung“ und bei einer etwaigen „Jugendbeeinträchtigung“ möglich. Wird der gleiche Film dann auf einem Bildträger (Videokassette, DVD) veröffentlicht, wird ein Kennzeichen bereits verweigert, wenn ein Fall von einfacher Jugendgefährdung vorliegt.[1] Filme, die eine „FSK-ab-18“-Kennzeichnung haben, können von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht mehr indiziert werden. Auch wenn ein Verdacht auf einen Straftatbestand (beispielsweise Gewaltverherrlichung, § 131 StGB) besteht, kann die FSK-Freigabe verweigert werden. In diesem Fall kann der Film der Juristenkommission (JK) der SPIO vorgelegt und auf strafrechtliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Trotz der entsprechenden Prüfung der JK kann ein Film sowohl indiziert als auch beschlagnahmt werden, jedoch schützt das entsprechende Signet die Beteiligten weitgehend vor individueller strafrechtlicher Verfolgung.

Ich hoffe das bleibt so auch bestehen.

Der Eintrag "Gewaltdarstellung" http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltdarstellung
wurde in den letzten Jahren etwa mehrmals verändert, obwohl am Gesetz eigentlich keine Änderungen vorgenommen wurden, und nicht nur wegen einer Initiative aus Bayern. Früher existierte sogar ein Eintrag "Gewaltverherrlichung", heute wird auf den zur "Gewaltdarstellung", welche ja nach §131StGB In Deutschland verboten ist, umgeleitet. Dieser Eintrag ist in der Sache aber auch nicht falsch...


Bemerkenswertes Engagement. Nochmals danke
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Beitragvon Yoshi08 » 23.03.2009, 15:23

Und wo kann man das jetzt downloaden, die zusmamengefasste und überarbeitete information zum Thema Jugendschutz?
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