BPJM lehnt Übersendung von Indizierungsentscheidungen ab

Allgemeine Themen über Zensur, die sonst nirgendwo passen, z.B. Kontrollstellen (FSK, USK, usw.) oder Kurioses.

Beitragvon Mulich » 22.05.2007, 16:28

ich glaube die nehmen niemanden ernst...ausser sich selber.

das sind beamte...und somit stehen die über allen!
Mulich
Mitglied
Mitglied
 
Beiträge: 30
Registriert: 30.08.2006, 19:06

Beitragvon ugo-piazza » 22.05.2007, 17:43

Don Bastardo hat geschrieben:Trotz Telefonaten und email - an mich ist nichts rausgegangen was ich an Daten verlangt habe...


DAS überrascht mich jetzt, ehrlich gesagt, nicht so wirklich... :mrgreen:

Don Bastardo hat geschrieben:Muss man die Herrschaften nun extra anzeigen um so einen Wisch zu bekommen??! Ernstgenommen haben sie mich anscheinend nicht besonders...


Was hättest du denn an Daten haben wollen?
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon Webmaster » 22.05.2007, 17:50

Mulich hat geschrieben:das sind beamte...und somit stehen die über allen!


He, nix gegen Beamte ... :D

Außerdem glaube ich nicht, dass die Prüfer der BPjM Beamte sind. Im Gegenteil, die Länderbeisitzer kommen z.B. aus den Länderparlamente. Die Gruppenbeisitzer kommen unter anderem aus den Kreisen Literatur, Buchhandel und Verlegerschaft, Anbieter von Bildträgern und Telemedien, sowie den Kirchen.
Gut da sitzen auch Lehrer drin, die sind sicher Beamte ;) aber der Großteil ist das wohl nicht ... Des weiteren sind die Prüfer offiziell nicht an Weisungen gebunden, was Beamte ausschließt.

Die BPjM ist aber natürlich eine Behörde, vielleicht hast du da was verwechselt ;)
ein nein zur Zensur ist kein nein zum Jugendschutz
Benutzeravatar
Webmaster
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 932
Registriert: 13.06.2004, 13:54

Beitragvon Don Bastardo » 22.05.2007, 19:09

ugo-piazza hat geschrieben:
Don Bastardo hat geschrieben:Trotz Telefonaten und email - an mich ist nichts rausgegangen was ich an Daten verlangt habe...


DAS überrascht mich jetzt, ehrlich gesagt, nicht so wirklich... :mrgreen:

Don Bastardo hat geschrieben:Muss man die Herrschaften nun extra anzeigen um so einen Wisch zu bekommen??! Ernstgenommen haben sie mich anscheinend nicht besonders...


Was hättest du denn an Daten haben wollen?


einen beschluss von 1982
Don Bastardo
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 301
Registriert: 30.08.2005, 18:25

Beitragvon ugo-piazza » 22.05.2007, 21:37

Don Bastardo hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:
Don Bastardo hat geschrieben:Trotz Telefonaten und email - an mich ist nichts rausgegangen was ich an Daten verlangt habe...


DAS überrascht mich jetzt, ehrlich gesagt, nicht so wirklich... :mrgreen:

Don Bastardo hat geschrieben:Muss man die Herrschaften nun extra anzeigen um so einen Wisch zu bekommen??! Ernstgenommen haben sie mich anscheinend nicht besonders...


Was hättest du denn an Daten haben wollen?


einen beschluss von 1982


Dieser "Django"-Film, dessen Indizierung am Jahresende abläuft?

Klar könntest du dich auf den beschwerlichen Rechtsweg begeben, aber das ist für einen einzelnen Indizierungsbescheid, dessen Gültigkeit in einem halben Jahr ausläuft, mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden.

Ich würde die weitere Entwicklung mal im Auge behalten und nochmal nachfragen, wenn aus Bonn wieder bessere Signale kommen sollten. Dann bekommst die Entscheidung vielleicht doch noch, allerdings halt erst, wenn die 25 Jahre bereits abgelaufen sein werden.

Ein unbefriegendes Ergebnis, aber so sieht es halt zur Zeit aus. :(
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon Jigoku » 22.05.2007, 22:03

Das ist schon eine traurige Angelegenheit, aber auch irgendwie verständlich.
Anhand größerer Mengen an Indizierungsbeschlüssen hätte man die Willkür ja schwarz auf weiß zur Hand, welcher der Schutz unserer Jugend obliegt.
„Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition.“ (Johann Nestroy)
"Zensur ist das armselige Zugeständnis eines Staates, sein Volk nicht regieren zu können."
Jigoku
Mitarbeiter
Mitarbeiter
 
Beiträge: 34
Registriert: 10.03.2007, 13:34
Wohnort: Viernheim

Beitragvon Don Bastardo » 23.05.2007, 13:16

er Film "Django - den Colt an der Kehle" wurde mit Entscheidung Nr. 1394 (V) vom 20.12.1982, bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 238 vom 22.12.82 indiziert.



Aus den Gründen der Entscheidung:



"... Der Inhalt der Kassette wirkt durch die Art der Gewaltdarstellungen in erheblichem Maße verrohend. Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von Brutalitäten grausamster Art, die von Menschen gegen Menschen verübt werden. Die wenigen Zwischenhandlungen, in denen keine Brutalitäten geschildert werden, dienen lediglich dazu, die Darstellung neuer Gewaltszenen vorzubereiten. Der Film ist systematisch auf die Ausmalung der Tötung anderer Menschen gerichtet. ... Gewalt wird selbstzweckhaft dargestellt. .... Immer wieder werden Grausamkeiten an Menschen genüsslich ausgemalt, damit Django seine Rachegelüste befriedigen kann. Dabei ist ein Menschenleben nichts wert. In der Schlussphase sterben Menschen wie die Fliegen und bleiben schließlich unbeerdigt in der Gegend liegen … Auch die Tatsache, dass Parica überhaupt nur tätig wird, um Kopfgeld zu bekommen, zeigt die Menschenverachtung dieses Films. Menschliches Leben und Sterben interessiert nur soweit, als es Geld einbringt. ....

Das Risiko des Films besteht nicht darin, dass Kinder und Jugendliche das hier Präsentierte nachahmen können. Gefährlich ist jedoch, dass in diesem Film die brutalsten Todesarten als relativ normal dargestellt werden, gegen die sich andere Gewalttaten wie Bagatellen ausnehmen. Ein Gewöhnungseffekt gegenüber besonders ekelhaften Todesarten tritt ein. Auf diese Weise könnte der Jugendliche in Konfliktsituationen sehr leicht dazu neigen, die Achtung vor der körperlichen Unversehrtheit des ihm gegenüberstehenden Menschen fallen zu lassen.

Darüber hinaus stellt auch die Tatsche eine Gefährdung dar, dass auf die Gewaltanwendungen keine negativen Konsequenzen folgen... Zwar sterben die meisten Menschen in dem Film, die Gewalt ausüben, nicht jedoch die Hauptpersonen: Django und Parica. Sie haben außerhalb der Legalität getötet, werden jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen. Vielmehr ist es so, dass sie als Helden gelten. Dem Jugendlichen wird ein Leben vorgespielt, das außerhalb aller Rechte und Pflichten verläuft. Es geht nur um das Faustrecht des einzelnen. …"







Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen die Indizierungsentscheidung nur in Auszügen übersenden.

Die Bundesprüfstelle versendet Indizierungsentscheidungen im Volltext an Dritte ausschließlich zu wissenschaftlichen oder journalistischen Zwecken und dann auch nur in anonymisierter Form. Dies geschieht aus den folgenden Gründen:



Eine Übersendung von Indizierungsentscheidungen an Jedermann konterkariert Sinn und Zweck des Jugendschutzes. Kinder und Jugendliche sollen nach dem Jugendschutzgesetz gerade vor bestimmten Medien, die geeignet sind, ihre Entwicklung oder Erziehung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu gefährden, geschützt werden. Die Indizierungsentscheidungen geben regelmäßig die Liedtexte eines indizierten Tonträgers im Volltext, sowie Auszüge aus Büchern, Zeitschriften, Internetseiten und Filmen wörtlich wieder. Kinder oder Jugendliche, denen die Indizierungsentscheidung zugänglich gemacht wird, erhielten somit detailliert Kenntnis von den Inhalten jugendgefährdender Medien, vor denen sie durch die Indizierung gerade geschützt werden sollen.



Bei Auskunftserteilung kann nicht gewährleistet werden, dass die Entscheidung veröffentlicht bzw. Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht wird. Sinn und Zweck der Rechtsfolgen einer Indizierung, worunter Vertriebsbeschränkungen und insbesondere auch das Werbeverbot fallen, ist es gerade, dass Kinder und Jugendliche nicht auf indizierte Medien aufmerksam gemacht werden.



Mit freundlichen Grüßen
Don Bastardo
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 301
Registriert: 30.08.2005, 18:25

Beitragvon ugo-piazza » 22.07.2007, 16:09

Freitag kam wieder ein 6-seitiges Schreiben der BPjM-Anwälte, die sich diesmal (allerdings recht erfolglos) darin versuchen, zu bluffen und falsche Fährten zu legen. Good idea, folks!

So hat man kurzerhand ein Verfassungsgerichtsurteil von 2001 zur Frage, ob es einen vom Grundrecht der Informationsfreiheit gedeckten Anspruch gegen den Staat gibt, sofern der Staat die Einsicht in seine Unterlagen erlaubt, kurzerhand unter den Tisch fallen lassen, um die eigene gegenteilige Ansicht zu stützen.

Ferner lautet eine Masche der BPjM nun, dass sie, sofern sie dieses Verfahren verlieren sollte, zu einer grundlegenden Änderung ihrer Begründungspraxis gezwungen sei. Statt die zur Indizierung führenden Inhalte in der Entscheidung umfassend zu schildern, "wäre in weitem Umfang auf die Akten Bezug zu nehmen. Eine solche Konsequenz wäre der Akzeptanz der Indizierungsentscheidung abträglich, zur Vermeidung der Verbreitung jugendgefährdender Inhalte jedoch zwingend geboten."

Abgesehen davon, dass dies m.E. nicht mit den gesetzlichen Vorgaben, wonach ein Behördenbescheid inhaltlich hinreichend bestimmt und begründet sein muss, in Einklang zu bringen wäre, wird dabei dann auch übersehen, dass auch die Akten der BPjM Gegenstand eines IFG-Antrages sein können.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass man in Bonn rationaler reagieren würde. Mittlerweile muss man ja fast glauben, dort würde eine Panikattacke der nächsten folgen...


Ich werde morgen eine fünfseitige Antwort darauf losschicken, weiterhin der Überzeugung, die besseren Argumente für mich zu haben... ;)

Bei der Gelegenheit habe ich die Anzahl der begehrten Entscheidungen von bisher 30 auf 50 aufgestockt. War nicht so ganz einfach, zig weitere interessante Titel draußen zu lassen, aber völlig ausufern lassen möchte ich die Sache auch nicht. So ist es nun einmal ein großer Abwasch, dann sind beide Seiten damit durch... :mrgreen:
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon ugo-piazza » 06.09.2007, 18:47

Heute hab ich eine Mail einer Mitarbeiterin des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) erhalten.

Beim BfDI hat sich ein Journalist für das ARD-Magazin "Kontraste" gemeldet und darum gebeten, ihm "mediengerechte" Fälle, die für ein Aufgreifen durch Presse oder
Rundfunk geeignet sein könnten, mitzuteilen.

"U. a. habe ich dem Journalisten abstrakt - ohne Nennung Ihres Namens - Ihren
Fall geschildert. Er würde diesen nun gerne für die Sendung aufgreifen.
Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie mit der Weitergabe Ihres Namens an Herrn
Hxxxx einverstanden sind."

Ich weiß noch nicht, ob ich's machen sollte.
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon Webmaster » 06.09.2007, 22:53

Was spricht dagegen? Kann dir nur helfen, wenn der Streit jetzt öffentlich wird, oder? ;)
ein nein zur Zensur ist kein nein zum Jugendschutz
Benutzeravatar
Webmaster
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 932
Registriert: 13.06.2004, 13:54

Beitragvon ugo-piazza » 09.09.2007, 10:48

Es wird mich nicht im TV zu sehen geben.

Ganz ehrlich gesagt, ich sehe nicht, dass das für mich oder für mein Anliegen zu einem Vorteil führen würde.

Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die BPjM ihre Verweigerungshaltung aufgrund öffentlicher Berichterstattung ändern würde. Ich vermute vielmehr, dass sie sich erst recht in einer "Schneckenhaus-Haltung" vergräbt.

Und was soll die Berichterstattung bewirken? Gut, ich dürfte vielleicht ein paar Sätze absondern. Die BPjM dürfte darlegen, warum sie auf der Verweigerungsschiene fährt. Neues wäre nicht zu erwarten.

Und die öffentliche Meinung bekommt man vielleicht hinter sich, wenn man Einsicht in die LKW-Maut-Verträge bekommt, aber gegen die BPjM? No way...


Für mich ist der einzig brauchbare Weg, eine gerichtliche Klärung herbeizuführen.
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon EL_Marto » 12.09.2007, 19:51

es ist besser die Presse rauszuhalten, besonders unsere ARD/ZDF
Keine Macht der Zensur!!!
Bild
We're Borg. Get assimilated. Resistance sucks.
Benutzeravatar
EL_Marto
Mitarbeiter
Mitarbeiter
 
Beiträge: 250
Registriert: 05.09.2004, 01:35

ARD - Kontraste

Beitragvon bonedaddy » 13.09.2007, 14:24

Hallo,

ich bin neu hier, und hab ich grad angemeldet, um dir dringend von der Zusammenarbeit mit einem ARD - Magazin abzuraten.
Da ich selbst schon einmal in einem Beitrag mit denen zusammengearbeitet habe (genauer gesagt, mit dem Redakteur Ben Bolz, kann ich dir sagen, dass dort nicht sauber gearbeitet wird.
Ich wurde damals unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an der Mitarbeit zu einem Beitrag bewegt. Wenn ich gewusst hätte, wie der Endbeitrag aussieht, und welchen Tenor er hat, hätte ich niemlas mitgemacht.
Also vorsicht: Auch wenn dir diese Typen erzählen, sie würden positiv über dich berichten würde ich das nicht glauben.
Ich kann mir den Bericht etwa in dem Tenor vorstellen : "Wie Jugendschützer durch unnötige Prozesse von ihrer Arbeit abgehalten werden und Steuergelder für Gerichtskosten verschwendt".
Die Meinung und der Tenor dieser ARD - Magazine zum Thema "Jugendschutz" und Medien ist ja wohl allen hier klar.

Deshalb vorsicht, bzw. lass es lieber ganz bleiben.

Gruß,

bonedaddy
bonedaddy
Neuling
Neuling
 
Beiträge: 6
Registriert: 13.09.2007, 14:13

Beitragvon ugo-piazza » 23.02.2008, 21:56

Zum Thema IFG hat die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen geantwortet, falls es jemanden interessiert:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/080/1608004.pdf


Die Anwälte der BPjM haben am 11. Februar auf mein Geschreibsel vom 23.7.07 (!) geantwortet (allerdings nichts neues) und noch mal auf das Angebot verwiesen, die Entscheidungen in Bonn einzusehen.

Ich würde das ja glatt annehmen, bestehe aber darauf, die Sachen kopieren zu können und die Entscheidungen ungeschwärzt (mit Ausnahme von Schwärzungen einiger Namen oder Adressen, die aus Datenschutzgründen notwendig sind). Dafür steht auch mein Angebot noch, verbindlich zu erklären, dass ich die Entscheidungen weder an Minderjährige weitergebe noch im Netz veröffentliche.

Mal schauen, ob die BPjM über ihren Schatten springen kann. ;)

Ansonsten wird es dann wohl Zeit für das Gericht, ein Urteil zu fällen.



@Webmaster: Das Forum sieht aber schon geraume Zeit SEHR tot aus! :(
ugo-piazza
Stammgast
Stammgast
 
Beiträge: 213
Registriert: 08.07.2004, 16:07

Beitragvon Webmaster » 24.02.2008, 13:49

ugo-piazza hat geschrieben:@Webmaster: Das Forum sieht aber schon geraume Zeit SEHR tot aus! :(


Es gibt Zeiten, da ist mehr los und Zeiten wo weniger los ist ... das ist hier ganz normal. Keine Sorge, begraben ist noch niemand ;)
ein nein zur Zensur ist kein nein zum Jugendschutz
Benutzeravatar
Webmaster
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 932
Registriert: 13.06.2004, 13:54

VorherigeNächste

Zurück zu Sonstige Zensur

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron